Freier Journalismus …
… fordert Flexibilität und bietet Unabhängigkeit
Wieviel Freiheit Freiberufler beziehungsweise freie Journalisten bei ihrer Arbeit tatsächlich haben, hängt von ihnen selbst ab. Je mehr Themengebiete sie bedienen und je mehr Medien zu ihren Auftraggebern gehören, desto größer ist für sie die Wahrscheinlichkeit, regelmäßig Aufträge zu erhalten und ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Anders als ein festangestellter Redakteur darf sich ein Freier Journalist kaum eine Auszeit gönnen. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind seine wichtigsten Eigenschaften. Zuverlässig muss er originelle Geschichten finden, Kontakte zu Redaktionen halten und nebenbei als selbstständiger Unternehmer seine eigene soziale Absicherung und Steuerabrechnung im Auge behalten. Die technische Grundlage ist relativ schnell und günstig geschaffen. Computer, Mobiltelefon und Visitenkarten sind schnell beschafft. Aber wie findet man geeignete Themen und wer kauft sie einem ab?
Für den Anfang empfiehlt sich die Konzentration auf ein bestimmtes Themengebiet. Dann können mit den ersten Geschichtenideen im Gepäck Medien kontaktiert werden, die inhaltlich in Frage kommen. Ist erst einmal ein Beitrag zufriedenstellend platziert, kann es Folgeaufträge geben und so entsteht Stück für Stück ein sogenannter “Bauchladen” von Abnehmern. Interessenten ohne Studium, Volontariat oder sonstige berufsqualifizierende Ausbildung sei vor einem sofortigen hauptberuflichen Einstieg als freier Journalist deutlich abgeraten. Denn sogar für viele ältere, erfahrene Kollegen ist es zurzeit angesichts sinkender Honorare und starker Konkurrenz schwierig, ihre laufenden Kosten zu decken. Ohne grundlegende handwerkliche und wirtschaftliche Kenntnisse ist es praktisch unmöglich, sich als Einsteiger in der Medienlandschaft zu etablieren. Erst nach einer fundierten Ausbildung in einer Redaktion, Journalistenschule oder Universität bewegt sich der freie Journalist sicher in den gängigen Textgattungen. Er hat Grundkenntnisse im Internetdesign, kann spannende Interviews führen und weiß, welche Eigenschaften ein Aufmacherbild ausmachen. Wer nicht nur auf eine Medienart festgelegt ist, kann beispielsweise als Freier Print-Journalist gelegentlich auch Radiobeiträge verkaufen und bei größeren Geschichten gegebenenfalls mit einem Fernsehteam zusammenarbeiten. Ein gutes Allgemeinwissen ist Grundlage dafür, sich schnell in neue Themen einarbeiten zu können. Vorteilhaft ist zudem, wenn der Freie Journalist selber eine gewisse Zeit fest gearbeitet hat und dadurch genau weiß, worauf die Redakteure bei seinen Beiträgen Wert legen.
In Bürogemeinschaften können freie Journalisten die Kosten für Miete und technische Ausrüstung teilen. Netzwerke ermöglichen den Austausch mit erfahreneren Kollegen auf digitalem Wege oder bei regelmäßigen Stammtischen in den Ballungsräumen der Republik. Bekanntestes Beispiel in Deutschland ist das jonet. Hier erhalten 2100 Mitglieder täglich per E-Mail Informationen beruflicher oder privater Natur. Bei JungeJournalisten.de stehen mehr als 250 Nachwuchsjournalisten in regelmäßigem Austausch. Wer konkurrenzfähig bleiben möchte, besucht zudem regelmäßig Fortbildungen und informiert sich über Internetseiten, Literatur und bei Veranstaltungen der verschiedenen Interessensverbände.
Ein interessantes Angebot für freie Journalisten stellt die Künstlersozialkasse (KSK) dar, die eine gesetzliche Pflichtversicherung für hauptberufliche freie Journalisten und Journalistinnen sowie viele andere Kunst- und Medienberufe ist. Nebenberufliche müssen ab einem gewissen Verdienst mindestens in die gesetzliche Rentenversicherung über die KSK einzahlen. Hauptberufliche sind auch verpflichtet, ihre Kranken- und Pflegeversicherung über die KSK zu führen. Das ist kein Nachteil: Die Versicherten zahlen bei der KSK wie Arbeitnehmer nur 50 Prozent ihrer Sozialversicherungsbeiträge. Zusätzlich günstig: Die Beiträge werden prozentual vom Einkommen berechnet. Andere Selbstständige müssen als freiwillige Mitglieder in den Kassen hohe Mindestbeiträge zahlen. Die KSK ist keine eigene Versicherung. Sie überweist die 50 Prozent der Versicherten plus 30 Prozent von den Verwertern wie Verlagen oder Galerien und weiteren 20 Prozent Zuschuss vom Bund komplett. Das Geld geht an die gesetzliche Rentenversicherung und die frei gewählte Krankenversicherung. Für diese und andere Fragen bietet Ver.di mit mediafon eine Infohotline für freie Journalisten an.
Von Joachim Dethlefs / Erschienen in Februar 2006 in der Broschüre “Fuß fassen – Wege in den Journalismus” von der Jugendpresse Deutschland und Verdi.