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	<title>Jo Dethlefs &#187; Interview</title>
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	<description>Gedanken und Ideen</description>
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		<title>Schwarzarbeit und Geheimdienstskandale</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jul 2007 21:43:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>

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		<description><![CDATA[Dragutin Lucic, Pr&#228;sident der Croatian Journalists Association, im Interview &#252;ber den Journalismus in Kroatien. Was k&#246;nnen westliche Journalisten von ihren kroatischen Kollegen lernen? Wir waren f&#252;r f&#252;nf Jahre im Krieg. Au&#223;erdem gibt uns unsere geografische und politische Position die M&#246;glichkeit, viele Aspekte Osteuropas besser zu verstehen. Hinzu kommt, dass die guten Eigenschaften des westlichen Journalismus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><img src="http://jo-dethlefs.de/wp-content/bilder/0803_schwarzarbeit.jpg" height="229" width="397" /></p>
<p><strong><br />
Dragutin Lucic, Pr&#228;sident der <a href="http://www.hnd.hr/" target="_blank">Croatian Journalists Association</a>, im Interview &#252;ber den Journalismus in Kroatien.</strong></p>
<blockquote><p><strong>Was k&#246;nnen westliche Journalisten von ihren kroatischen Kollegen lernen?</strong><br />
Wir waren f&#252;r f&#252;nf Jahre im Krieg. Au&#223;erdem gibt uns unsere geografische und politische Position die M&#246;glichkeit, viele Aspekte Osteuropas besser zu verstehen. Hinzu kommt, dass die guten Eigenschaften des westlichen Journalismus ihren Niedergang erlebt haben, nachdem die gro&#223;en Firmen die europ&#228;ischen und amerikanischen Medien &#252;bernommen haben.</p>
<p><span id="more-13"></span></p></blockquote>
<blockquote><p><strong>Was meinen Sie damit?</strong><br />
Ich spreche vom Einfluss der Finanz-Lobby auf die Medien, wie es ihn im gesamten Europa gibt. Ich spreche &#252;ber ethische Probleme, die auch Problem der europ&#228;ischen Medien geworden sind, sowie das Recht der freien Meinungs&#228;u&#223;erung und die schwierige Lage der Freien Journalisten.</p>
<p><strong>Wie sind die Bedingungen f&#252;r freie Journalisten in Kroatien?</strong><br />
Der Markt ist klein. Es gibt viel Konkurrenz und Probleme mit der Bezahlung.</p>
<p><strong>Ger&#252;chte sprechen von einem Schwarzmarkt f&#252;r freie Journalisten?</strong><br />
Ja. Das Problem sind die Besitzer der lokalen Medien, die sich gegen Ver&#228;nderungen sperren. Ich sch&#228;tze, dass 30 bis 40 Prozent der 10000 kroatischen Journalisten ohne Vertrag und rechtliche Absicherung arbeiten.</p>
<p><strong>Was unternehmen Sie dagegen?</strong><br />
Wir k&#228;mpfen dagegen, engagieren uns bei Politikern und Unternehmern. Wir haben gerade ein neues Gesetz &#252;ber freien Journalismus erreicht. Aber wir mussten schrittweise vorgehen: Die letzten Jahre haben wir darum gek&#228;mpft, den Einfluss der Politik auf die Medien zu beschr&#228;nken.</p>
<p><strong>Ist dies gelungen?</strong><br />
Ja, heute haben die B&#252;rger die eigentliche Macht im Land zum Beispiel vertreten durch Menschenrechtsgruppen wie das <a href="http://www.open.hr/com/hho/english/homhrv.htm" target="_blank">Helsinki Kommitee</a> oder <a href="http://www.amnesty.hr/" target="_blank">Amnesty International</a>. Gerade erst haben wir nach einem langem Rechtsstreit erreicht, dass der Leiter des staatlichen Geheimdienstes Protuobavjestanje agencije (POA) entlassen worden ist, nachdem seine Agenten die Journalistin Helena Puljiz unter Druck gesetzt haben. Dies ist ein Beispiel daf&#252;r, dass die Demokratie in diesem Land funktioniert.</p>
<p><strong>Was steht als n&#228;chstes auf Ihrer Liste?</strong><br />
Aktuell konzentrieren wir uns auf die Ausbildung in ethischen Fragen. Au&#223;erdem wollen wir so etwas wie den Deutschen Presserat in Kroatien schaffen.</p>
<p><strong>Vielen Dank f&#252;r das Interview.</strong></p></blockquote>
<p><em>Das Interview f&#252;hrte Joachim Dethlefs. Erschienen im November 2005 in Ausgabe 4 vom <a href="http://www.berliner-journalisten.com/" target="_blank">Medienmagazin Berliner Journalisten</a>.</em></p>
<p><strong>Hintergrund: </strong>Dragutin Lucic, Jahrgang 1948, Journalist und Buchautor, studierte politische Wissenschaften und Philosophie. Seit 15 Jahren ist er Redakteur der kroatischen Nachrichtenagentur <a href="http://www.hina.hr/" target="_blank">HINA</a>. Seit sechs Jahren ist er Pr&#228;sident der Genossenschaft <a href="http://www.hnd.hr/" target="_blank">Croatian Journalists Association</a> (CJA). Davor war er drei Jahre Pr&#228;sident der Gewerkschaft Trade Union of Croatian Journalists, die eng mit der CJA kooperiert. Beide Organisationen sind Mitglieder der<a href="http://www.ifj-europe.org/" target="_blank">European Federation of Journalists</a> und <a href="http://www.ifj.org/" target="_blank">International Federation of Journalists</a>.</p>
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		<title>Man muss den Moment leben</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jul 2007 21:39:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>

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		<description><![CDATA[J&#228;hrlich erkranken in Deutschland &#252;ber 2000 Menschen an Morbus Hodgkin, einer seltenen Art von Lymphdr&#252;senkrebs. Krankenpfleger Thomas Schulze* (Name ge&#228;ndert) erhielt im Mai 1999 die ersch&#252;tternde Diagnose. Heute hat der 39-j&#228;hrige (Der Beitrag erschien im Jahr 2001, Anmerkung des Verfassers) den Krebs besiegt. Im Gespr&#228;ch berichtet er von einem Jahr Kampf mit Chemotherapie und Bestrahlungen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>J&#228;hrlich erkranken in Deutschland &#252;ber 2000 Menschen an <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Morbus_Hodgkin" target="_blank">Morbus Hodgkin</a>, einer seltenen Art von Lymphdr&#252;senkrebs. Krankenpfleger Thomas Schulze* (Name ge&#228;ndert) erhielt im Mai 1999 die ersch&#252;tternde Diagnose. Heute hat der 39-j&#228;hrige (Der Beitrag erschien im Jahr 2001, Anmerkung des Verfassers) den Krebs besiegt. Im Gespr&#228;ch berichtet er von einem Jahr Kampf mit Chemotherapie und Bestrahlungen, von einem Jahr zwischen Hoffnung und Resignation, von einem Jahr, in dem sich sein Leben schlagartig ver&#228;nderte.</em><span id="more-11"></span></p></blockquote>
<blockquote><p><strong>Wie haben sie von ihrer Krankheit erfahren?</strong><br />
Es begann im Fr&#252;hjahr 1999. Ich hatte l&#228;ngere Zeit 39Â° Fieber, verlor Gewicht und wachte in der Nacht schwei&#223;gebadet auf. Mein Urologe hatte eine Prostata-Entz&#252;ndung diagnostiziert, doch als es nach zwei Wochen Antibiotika-Behandlung noch immer nicht besser wurde, bin ich aus eigenem Antrieb ins Krankenhaus gegangen. Die haben alle Untersuchungen an mir gemacht, die es gibt. Zuletzt haben sie mich in die R&#246;hre geschoben, eine Computertomografie gemacht.</p>
<p><strong>Wie ging es ihnen dabei?</strong><br />
Es war ein verdammt schlechtes Gef&#252;hl, als ich da reingeschoben wurde. Ich wusste, irgendwas ist da bei mir, aber ich wusste nicht was. Als ich aus der R&#246;hre rauskam, habe ich gemerkt, dass wirklich irgendetwas nicht in Ordnung ist. Die Schwestern waren so anders zu mir. Ich sp&#252;re so etwas. Eine Stunde sp&#228;ter kam ein Arzt auf mein Zimmer. Es war ein Freitagnachmittag. Er sagte, dass ich Krebs h&#228;tte.</p>
<p><strong>Wie haben sie reagiert?</strong><br />
Direkt nach der Konfrontation mit der Diagnose war ich erf&#252;llt von Trauer und Entt&#228;uschung. Warum ich? Krebs hie&#223; f&#252;r mich Feierabend. Mach dir noch â€˜ne sch&#246;ne Woche. Ich hatte ja vorher keinen Kontakt zu der Krankheit gehabt. Man wusste auch noch nicht, was f&#252;r eine Art von Krebs es war. Erst nach einer Woche kam die endg&#252;ltige Diagnose. Ich hatte den Morbus Hodgkin. Der Arzt sagte, meine &#220;berlebenschancen l&#228;gen bei neunzig Prozent, da die Forschung auf diesem Gebiet sehr weit fortgeschritten sei. Ich habe gemerkt, dass das Leben sehr schnell vorbeigehen kann. Viele denken immer, alle kriegen Krebs und ich nicht, aber wenn es sie dann selber erwischt, dann sind sie fertig. Ich fragte mich, ob ich noch Zukunft habe, ob und was ich noch auf dieser Welt will. Und dann entschloss ich mich zu k&#228;mpfen.</p>
<p><strong>Ein pl&#246;tzlicher Entschluss?</strong><br />
Nein, das kam automatisch. Ich hab mir gesagt, ich bin zu jung, um schon von dieser Welt zu gehen. Ich will noch was vom Leben haben.</p>
<p><strong>Und dann?</strong><br />
Ich machte eine Chemotherapie. Du bekommst ein Zellgift, das die Krebszellen beseitigen soll. Dein ganzes Immunsystem wird drei Wochen lang mit Tabletten und Infusionen runtergefahren und dann hat es eine Woche Zeit zur Erholung. Von diesen vierw&#246;chigen Phasen durchlief ich acht St&#252;ck. Jeweils w&#228;hrend der ersten vier Tage wurde ich station&#228;r aufgenommen. Das ist ein Hammerteil, da vergeht dir der Appetit.<br />
Die Tumore in meinem Brust- und Bauchbereich hatten einen Durchmesser von f&#252;nf Zentimetern. Deswegen musste ich mich nach der Chemotherapie auch noch einer Bestrahlung unterziehen. Das waren 25 Behandlungs-Einheiten, 25 Werktage in Folge ambulant bei einem nahegelegenen Radiologen.</p>
<p><strong>Was war das f&#252;r eine Erfahrung?</strong><br />
Auf die Bestrahlung war ich nicht eingestellt gewesen. Sie hatten mir das nicht gesagt, weil ich erst mal die Chemotherapie hinter mich bringen sollte. Letztendlich war sie aber im Vergleich zu den Infusionen und Tabletten f&#252;r mich ein Witz.</p>
<p><strong>Wie hat das Umfeld reagiert?</strong><br />
Die konnten da auch alle am Anfang schwer mit umgehen. Meine Eltern hatten Angst, dass sie mich verlieren k&#246;nnten. Und auch meine Lebenspartnerin war voller Angst. Sie hat mir aber sehr geholfen, mir vieles abgenommen, mich aus allem rausgehalten. Daf&#252;r bin ich ihr noch heute dankbar. So etwas ist auch nicht einfach wegzustecken, erst recht nicht f&#252;r den Partner. Der kriegt ja alles direkt mit. Das ist ein ziemlicher Einschnitt. Man ver&#228;ndert sich, hat pl&#246;tzlich Phasen in denen man fr&#246;hlich, aggressiv oder auch traurig ist.</p>
<p><strong>Wenn sie als 20-J&#228;hriger geh&#246;rt h&#228;tten, dass ihnen mal so was passiert, was h&#228;tten sie dazu gesagt?</strong><br />
Ich h&#228;tte gesagt, mir wird so was niemals passieren &#8211; ich h&#228;tte es total abgelehnt. Man denkt nicht an Krebs. Man spricht nicht dar&#252;ber. Das hat was mit Tod zu tun. Dar&#252;ber wird auch nicht gesprochen.</p>
<p><strong>Hatten sie Angst vor dem Sterben?</strong><br />
Nein, ich hatte keine Angst vor dem Tod und auch keine Panik empfunden. Wenn das so sein sollte, dann ist es so. Ich h&#228;tte ja auch die Therapie ablehnen k&#246;nnen, dann w&#228;re ich bereits Wochen nach der Diagnose nicht mehr gewesen.</p>
<p><strong>Welche Rolle spielte Religion in ihrem Leben?</strong><br />
Keine. Ich hatte noch nie einen Bezug dazu gehabt. Deswegen habe ich mich auch w&#228;hrend meiner Erkrankung nicht damit besch&#228;ftigt.</p>
<p><strong>Ist es eher motivierend oder demotivierend gewesen, Kontakt zu anderen Kranken zu haben?</strong><br />
Es ist auf jeden Fall eine wichtige Erfahrung f&#252;r mich gewesen. Manche hatten schon Tumore gehabt und sind nach Jahren wieder an einer anderen Art von Krebs erkrankt. Wenn sie vom Arzt h&#246;rten, dass keine Chance mehr besteht, haben meist wir anderen im Krankenzimmer versucht, mit ihnen zu reden. Tr&#246;sten kann man einen Menschen in so einer Situation nicht. Der Arzt hat praktisch das Todesurteil &#252;berbracht.</p>
<p><strong>Eine etwas unmenschliche Methode, oder?</strong><br />
Das ist aber in Ordnung so. Was sollen die L&#252;gen? Es kommt zwar schon auf die Situation an, aber der Patient hat schlie&#223;lich ein Recht, es zu erfahren. Es ist mein eigenes Leben. Da halte ich es f&#252;r fair, zu wissen, wann es vorbei ist. Mit Hodgkin kann man alt werden. Er kann zwar auch wieder auftauchen, aber dann muss man eben erneut zur Therapie. Im Krankenhaus habe ich Menschen kennengelernt, den es wesentlich dreckiger ging, als mir und ich dachte: Mit mir nicht!</p>
<p><strong>Haben sie jetzt noch Kontakt zu anderen Erkrankten?</strong><br />
Nein. Selbsthilfegruppen sind nie etwas f&#252;r mich gewesen. Ich komme auch so ganz gut klar damit.</p>
<p><strong>Wie hoch ist der psychische Anteil an der Genesung?</strong><br />
Das ist unterschiedlich. Wenn man vom Kopf her negativ dazu eingestellt ist, hat das alles keinen Zweck. Ich selber habe mir aber gesagt, ich zieh das durch. Und von Zyklus zu Zyklus ging es mir besser. Ich erinnere mich noch daran, als ich zum ersten mal Medikamente bekommen sollte und dann wurden solche Infusionsflaschen reingefahren, die mit Alufolie abgedeckt waren, weil die Pr&#228;parate so empfindlich gegen Sonnenlicht waren. Da dachte ich nur: &#8220;Das wollen sie in dich reinpumpen? Oh Gott, so etwas kann ja nur schief gehen.&#8221;</p>
<p><strong>Wird man durch Hodgkin anf&#228;lliger f&#252;r andere Krebsarten?</strong><br />
Die Crux ist, durch die Therapie kannst du nach Jahren Folgekrebs bekommen, wenn die Heilungsmethoden andere Organe zu schwer belastet haben.</p>
<p><strong>Womit haben sie sich w&#228;hrend der Therapie die Zeit vertrieben?</strong><br />
Ich habe nur auf dem Sofa gelegen, sonst gar nichts gemacht. Man baut geistig und k&#246;rperlich ab. Alles war nur noch anstrengend. Ich konnte keine gr&#246;&#223;eren Menschengruppen mehr aushalten. Das war auch f&#252;r meine Partnerin nicht besonders leicht.</p>
<p><strong>Hat die Geschichte ihre Lebenseinstellung ver&#228;ndert?</strong><br />
Ja, auf jeden Fall. Vorher habe ich niemals auf Ern&#228;hrung geachtet, im Gegenteil eher alles weggelassen, was gesund ist, zwei Schachteln Zigaretten pro Tag geraucht und keinen Sport gemacht. Heute habe ich aufgeh&#246;rt zu rauchen, esse viele Salate, wenig Fett, achte auf Kohlenhydrate und esse eher Fisch als Fleisch. Au&#223;erdem fahre ich heute t&#228;glich 15 bis 20 Kilometer mit dem Rad. Das entspannt und hilft mir, mein durch die Therapie gesunkenes Lungenvolumen zu vergr&#246;&#223;ern.<br />
Parties feiere ich noch genauso wie vorher. Das lasse ich mir nicht nehmen. Nur die Gesamtpower von damals ist weg. Heute brauche ich l&#228;nger, muss mir mehr Pausen g&#246;nnen. Au&#223;erdem hat das Nervensystem des K&#246;rpers sich noch immer nicht vollst&#228;ndig erholt und ich sp&#252;re noch Folgeerscheinungen wie beispielsweise taube F&#252;&#223;e. Mein Charakter hat sich aber nicht ge&#228;ndert. Ich war immer lustig und das bin ich auch geblieben, oder gebe mir wenigstens M&#252;he.</p>
<p><strong>Wird in den Medien ausreichend und gut &#252;ber schwere Erkrankungen wie Krebs berichtet?</strong><br />
Das ist wie mit HIV oder auch BSE. Es wird immer eine gewisse Zeit viel diskutiert. Dann ist es wieder weniger. Aber generell lassen die Medien wirklich zu w&#252;nschen &#252;brig. Ohne Internet h&#228;tte ich keine M&#246;glichkeit gehabt, mich zu informieren. Auf diese Weise kam ich auch an ein Buch, dessen Autor ebenfalls Morbus Hodgkin hatte. Es hat mir sehr geholfen, das zu lesen. Krebs ist einfach eine Tabu-Geschichte in der heutigen Gesellschaft und man sollte dr&#252;ber reden, umso besser kann man es verarbeiten, wenn man selbst davon betroffen ist.</p>
<p><strong>Was w&#252;rden sie anderen krebskranken Menschen raten?</strong><br />
Man muss versuchen, vom Kopf her zu arbeiten. Eine Chance bekommt jeder, er muss sie nur nutzen, darf den Lebensmut nicht verlieren. Ansonsten kann man keine Tipps geben, weil jeder Erkrankte anders damit umgeht.</p>
<p><strong>Was war das Schlimmste f&#252;r sie?</strong><br />
Dass ich meine Haare verlor! Vor meinem ersten Zyklus hatten sie mir gesagt, dass es passiert. Dann beim Haarewaschen unter der Dusche hatte ich pl&#246;tzlich ein ganzes B&#252;schel in der Hand. Sechs Tage sp&#228;ter war ich am ganzen K&#246;rper blank, f&#252;hlte mich wie ein Kaninchen, dem das Fell abgezogen worden ist. Das war f&#252;r mich sogar noch viel schlimmer als die Diagnose selber.</p>
<p><strong>Au&#223;erdem waren sie so auf den ersten Blick als Kranker erkennbar?</strong><br />
Zu sehen war es auch so. Ich nahm 80 Milligramm Cortison pro Tag gegen die &#220;belkeit und als Appetitanreger. Ich hatte einen geschwollenen, r&#246;tlichen Kopf und tiefe dunkle Augenr&#228;nder der Marke &#8220;Tod l&#228;sst gr&#252;&#223;en&#8221;. Au&#223;erdem war ich von 94 Kilo auf 115 Kilo angeschwollen.</p>
<p><strong>Wie f&#252;hlten sie sich, als der Krebs besiegt war?</strong><br />
Mein Gedanke war: &#8220;Puh! Ich habâ€™s geschafft, jetzt kann es wieder losgehen&#8221;. Ich konnte ja gar nichts machen in diesem einen Jahr Krankheit, weder abschalten, noch Alkohol trinken. Die Stimmung ging immer runter und hoch. Nach dem dritten und sechsten Zyklus hatte ich ganz schlimme Phasen, in denen ich dachte, ich k&#246;nnte jetzt nicht mehr. Danach aber ging es mir wieder richtig gut. Heute habe es geschafft. Bis auf einige Nachuntersuchungen ist das Ganze f&#252;r mich abgeschlossen. Jetzt habe ich wieder ein normales Leben aufgenommen, mit Grenzen, die ich erst selber noch ein bisschen herausfinden muss.</p>
<p><strong>Leben sie jetzt bewusster?</strong><br />
Ja. Ich nehme meine Umwelt anders wahr. Ich freue mich &#252;ber Sachen, die ich damals nicht beachtet habe, beispielsweise wenn der Fr&#252;hling kommt oder ich einen Ausflug an die See mache. Damals habe ich f&#252;nf St&#252;ck Torte in mich hineingeschlungen. Heute esse ich eines, aber genie&#223;e es viel mehr. Ich dekoriere mein Essen und hab sogar meine Liebe f&#252;r ein gutes Glas Wein entdeckt, was ich fr&#252;her &#252;berhaupt nicht mochte.</p>
<p><strong>Was w&#252;rden sie machen, wenn sie nur noch eine Woche zu leben h&#228;tten?</strong><br />
Auf jeden Fall in Urlaub fahren, irgendwohin, wo es sch&#246;n ist, mit Sonne und viel Wasser.</p>
<p><strong>M&#246;chten sie noch etwas sagen?</strong><br />
Meine Botschaft ist, dass K&#228;mpfen sich lohnt. Ich wei&#223; jetzt auch nicht, ob der Krebs zur&#252;ckkommt. Ich kann nur sagen, im Moment bin ich gesund. Und den Moment muss man leben, denn man wei&#223; nie, ob er jemals wiederkommt.</p>
<p><strong>Vielen Dank f&#252;r das Gespr&#228;ch!</strong></p></blockquote>
<p><em>Das Interview f&#252;hrte Joachim Dethlefs. Erschienen im August 2001 im Magazin <a href="http://www.zivildienst.de/cln_029/lang_de/nn_212072/Navigation/DasBAZ/Presse/ZiviMagazin/Zivildienst__node.html__nnn=true" target="_blank">Zivildienst</a>.</em></p>
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